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26.06.2022

Die Heimschule Kloster Wald feiert Jubiläum

Mehr als ein Dreiviertel Jahrhundert

75 Jahre Heimschule Kloster Wald**

Die Heimschule Kloster Wald wurde 1946, vor genau 75 Jahren, von den Benediktinerschwestern Sr. Sophia und Sr. Lioba gegründet. 75? Da stimmt etwas nicht, denn von 1946 bis 2022 sind bereits 76 Jahre vergangen. Corona hatte uns im letzten Jahr einen Strich durch die Rechnung gemacht und wir mussten die Feier umbenennen in eine **75+1-Jahr-Feier. Aber dies tat der Veranstaltung keinen Abbruch.

Begonnen hat die Feier mit einem Gottesdienst in der Kirche St. Bernhard in Wald. Bischofsvikar Dr. Peter Kohl leitete den Gottesdienst, der der Symbolik von sieben Kugeln folgte. Diese sieben Kugeln symbolisierten die vergangenen sieben Dekaden. Eine achte Kugel, nur zur Hälfte bemalt, stand für die achte Dekade, in der sich die Heimschule Kloster Wald nun befindet. Bischofsvikar Dr. Kohl beschrieb die 75 Jahre für die verschiedenen Beteiligten (Schülerinnen, Schwestern, MitarbeiterInnen) und hob hervor, dass viele Höhen und Tiefen in dieser großen Zeitspanne zu überwinden waren, doch dass dank Gottes Segen mit Hoffnung und Zuversicht in die Zukunft geblickt werden könne. Begleitet wurde der Gottesdienst von Herrn Pfarrer Dr. Keller und Herrn Dekan Stefan Schmid und als Gäste wohnten Herr Pfarrer Kirchmann i.R. und Herr Pfarrer Rieger i.R. bei.

Musikalisch untermalt wurde der Gottesdienst von dem Streichorchester unter der Leitung von Gudrun Gudrun Hafner und dem Mitarbeiterchor unter der Leitung von Martin Herr und gestaltet durch Schülerinnen zusammen mit Ulrich Schneider und Andrea Wahl.

Da die Kirche für die Gäste und die Schulgemeinschaft zusammen zu wenig Platz bot, fanden sich die Schülerinnen im Rosengarten ein, einem der Innenhöfe des Klostergebäudes. Dort konnten sie den Gottesdienst in einer Live-Übertragung verfolgen und erhielten am Ende auch die Kommunion.

Für die Schülerinnen gab es im Anschluss eine kleine Stärkung im Posthof und sie verteilten sich auf unterschiedlichste, kreative Workshops, die von Andrea Wahl für die Klassen 4 bis 9 vorbereitet wurden. Die zehnten und elften Klassen unterstützten die jüngeren Schülerinnen bei den Workshops und es herrschte eine lockere, ausgelassene Atmosphäre.

Für die übrigen Gäste ging es nach dem Gottesdienst zum Sektempfang vor der Halle, um sich bei perfektem Wetter zu stärken und mit anderen Gästen ins Gespräch zu kommen.

Der Festakt in der Halle wurde von den Waldlerchen unter der Leitung von Martin Herr eröffnet mit einer tollen Darbietung von „Lieblingsmensch“. Herr Hils sorgte bei seiner Begrüßung der vielen Ehrengäste für einige Schmunzler, als er die anwesenden Ersthelfer aus der siebten Klasse fragte, was sie täten im Falle eines Falles. Die beste Antwort kam eindeutig von Samia Heilig, die ein Gähnen als „klares Zeichen von Sauerstoffmangel“ sofort mit „Mund-zu-Mund-Beatmung, Wiederbelebung und dem vollen Programm“ behandeln würde.

Stiftungsdirektor Dietfried Scherer zitierte unter anderem aus dem Speiseplan von 1940 „drei Mal Rüben, drei Mal Eintopf, Kartoffeln zu teuer“ und erinnerte an die erschütternden Umstände, unter denen die Schwestern damals in dem heruntergekommenen Klostergebäude die Schule aufbauten. Er zeigte auf, wie innovativ die Schwestern waren, dass sie direkt eine handwerkliche Ausbildung mit in die Schulausbildung integrierten. Dies sei bis heute ein Aushängeschild von Wald und sorge für eine hohe Attraktivität in der Region und darüber hinaus. Er lobte die Entwicklung von Wald, und die Tatsache, dass viele Urwälderinnen ihre Töchter wieder in Wald anmeldeten, sei Beweis dafür, dass die Mädchen hier zu mündigen, gebildeten und selbstsicheren jungen Frauen herangeführt werden. Als eine seiner letzten Amtshandlungen überreichte er Hartwig Hils eine Urkunde und lobte ihn für seine freundliche und sympathische Art und seine Fähigkeiten, Probleme anzupacken und zu lösen. Gleichermaßen fand er den Rahmen sehr passend, um mit Heidi Linster  zum ersten Mal eine Urwälderin  in der Funktion der Schulleiterin zu begrüßen.

Den Begriff „Urwälderin“ übernahm auch Frau Dr. Susanne Pacher, Schulpräsidentin des RP Tübingen, in Ihrer Rede, da sie damit zunächst Frauen assoziierte, die sich durch den Dschungel und Urwald schlagen. Sie hob die Besonderheit eines reinen Mädchengymnasiums hervor, das es in ganz Deutschland so („leider“) nur noch selten gäbe und betonte ebenfalls die Wichtigkeit der handwerklichen Ausbildung. Sie schloss damit, dass der Begriff „Urwälderin“ tatsächlich gut gewählt sei, da die Absolventinnen sich im „Dschungel und Urwald des Lebens“ durchaus behaupten können.

Frau Wiese als erste Landesbeamtin gab zu, dass sie vorher noch nie im Kloster Wald gewesen sei, der erste Eindruck sie aber jetzt schon beeindrucke und bezeichnete die Heimschule Kloster Wald als „Perle des Landkreises“.

Schwester Scholastika bedankte sich bei den vielen früheren und jetzigen Mitarbeitern der Heimschule mit einem kräftigen „Vergelts Gott“ und überreichte Herrn Hils und Frau Linster einen kleinen Proviantkorb, der vom Gott des Neuanfangs gesegnet ist.

Wekstattleiterin Diana Kempf betonte den Mehrwert der handwerklichen Ausbildung für die Schülerinnen, zum Beispiel dass die Schneiderinnen aus Wald die besten Nähte auch in der Medizin vorweisen könnten und dankte wiederum Herrn Hils für die stetige Unterstützung und die sehr gute Zusammenarbeit. Sie stellte einen neuen Berufszweig in Aussicht, den es im übernächsten Schuljahr in Wald geben werde. Zum Dank schenkten die Werkstattmeisterinnen und -meister Herrn Hils ein „Unruhebänkle“, da er ja nie Zeit habe hinzusitzen. Außerdem installierten sie einen Fahrradsattel als alternative Sitzmöglichkeit aufgrund seiner Liebe fürs Fahrradfahren.

Internatsleiterin Rita Schmid hätte sich ein „immerwährendes so-weitermachen“ mit Herrn Hils gewünscht und betonte abermals seinen freundlichen und wertschätzenden Umgang mit allen. Auch Frau Linster erhielt zum symbolischen „Einzug“ in Wald Brot und Salz als Geschenk.

Die Schülersprecherinnen Charlotte Jacob und Elisabeth von Gagern schlossen sich dem Dank an Herrn Hils an und freuten sich, mit Frau Linster eine Urwälderin begrüßen zu dürfen, die Wald als Ort der gelebten Traditionen kennt und schätzt.

Herr Dr. Ralph Halder als Elternbeiratsvorsitzender war zusammen mit der Elternschaft stolz darauf, Teil der 75-jährigen Erfolgsgeschichte von Wald zu sein und Marili von Franckenstein in ihrer Funktion als Internatselternvertreterin betonte die Aktualität des Grundsatzes „mit Kopf, Herz und Hand“. Sie zitierte eine andere Urwälderin, die die Zeit in Wald als Zeit der „kulturellen Vielfalt, die ihr Leben bereichert hat“ empfindet.

Letzte Dankensworte an Herrn Hils kamen von Judith Hermann als Vorsitzende der Mitarbeitervertretung. Sie betonte nochmals seine sympathische Art und dass er als Vorgesetzter immer seinen Kollegen den Rücken stärkte.

Als Vorletzter ergriff Hartwig Hils nochmal das Wort und bedankte sich bei allen MitarbeiterInnen der Heimschule Kloster Wald, den BeamtInnen im Landratsamt Sigmaringen und den Vorsitzenden der Handwerkskammer für die sehr gute Zusammenarbeit in den letzten vier Jahren, und auch er bekräftigte nochmals die Bedeutung und den Nutzen der handwerklichen Ausbildung parallel zur Schulbildung.

Zuletzt beichtete Heidi Linster, dass sie nach all den Lobesreden nun noch mehr Respekt vor ihren Aufgaben als neue Schulleiterin habe, sich aber darauf freue, die kommenden Herausforderungen zu meistern. Für sie bedeute die Position ein Heimkommen nach Ihrem Abitur 1993 an Wald und gleichzeitig einen Aufbruch in neue Gefilde.

Aufgelockert wurde die Feier durch musikalische Einlagen von Carolina Restle (Querflöte), dem Percussion-Ensemble unter der Leitung von Severin Dietrich und Annika Hader (Cello) und durch kurze Theatereinlagen der Theater AG unter der Leitung von Corina Rues-Benz. Den Abschluss des Festakts bildete ein unterhaltsames Video von der Video-AG der Unterstufe, das den Titel „Für Frauen ist das kein Problem“ von Max Raabe mit Bildern der Schülerinnen untermalte.

Den Abschluss der Feier bildete das gemeinsame Mittagessen in der Mensa, bei dem sich das Küchenteam wieder mal von seiner besten Seite präsentierte. Das Büffet lud schon beim Anblick zum Essen ein und es schmeckte fantastisch.

Die Werkstätten boten überdies noch einen kleinen Einblick in ihre Räumlichkeiten und stellten einige der Werkstücke zur Schau.

Alles in allem war es ein rundum gelungenes Fest, das das vergangene dreiviertel Jahrhundert gebührend feierte.

Text und Bilder: Joachim Ott

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Schulstiftung der Erzdiözese Freiburg