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20.03.2022

Einfach mal drin lassen

Aschegottesdienst am Kloster Wald

Viele Menschen haben viele Meinungen. Und mehr und mehr von ihnen fühlen sich bemüßigt, diese Meinungen gegenüber anderen Menschen darzubieten – ob sie es hören wollen oder nicht. Mit den Sozialen Medien ist es in den letzten Jahren immer einfacher geworden, spontan gefasste Gedanken geradewegs in die Welt zu werfen.

„Sieben Wochen drin lassen“ lautet das Fastenmotto am Kloster Wald im Jahr 2022. Am Montag nach Aschermittwoch feierte die Schulgemeinschaft den Aschegottesdienst, um die sieben Wochen der Fastenzeit einzuläuten.

Für vierzig Tage wollen wir einfach mal die Empörung, die Wut, den Ärger für uns behalten, der sich in so mancher Alltagssituation aufstaut und abgelassen werden möchte. Sieben Wochen lang wollen wir vor allem besonnen sein, misstrauisch bleiben, nicht einfach der nächstbesten Erklärung Glauben schenken, sondern uns ein Urteil bilden, indem wir abwägen und Wahrscheinlichkeiten prüfen.

Dies ist umso wichtiger in einer Zeit der bewusst geschürten Desinformation. Die Fasnachtsferien begannen mit der Invasion eines mächtigen europäischen Landes in einem wesentlich schwächeren und kleineren Land. In einem von beiden darf man das, was da passiert, nicht einmal beim Namen nennen, während die Situation im anderen mittlerweile so gefährlich wird, dass Informationen über die Geschehnisse immer schwerer zu überprüfen sind.

Aber auch davor brodelte es unter und in uns. Denken wir an die vielen Menschen, die gegen Coronamaßnahmen aggressiv auf die Straße gehen, den Kapitalismus lauthals kritisieren, den Westen, das Establishment, die Nato, die Regierung, die Wissenschaft – Wut einfach überall.

Jesus hat gesagt, nicht das, was du aufnimmst, macht dich unrein. Das, was du sagst oder tust, kann dich aber sehr wohl unrein machen. Anders als beim üblichen Fasten wollen wir „verzichten nicht auf was, was wir zu uns nehmen, sondern auf das, was aus uns ausbrechen will“, fasste es Pfarrer Gerhard Müller zusammen.

Begleitet von Musikerinnen aus Klasse 10, Martin Herr am Flügel sowie Schülerinnen des Leistungsfaches Religion, gestaltete das Team der Schulseelsorge um Andrea Hauber, Gerhard Müller und Ulrich Schneider den Gottesdienst, der aus dem Konventsaal in die Klassenzimmer übertragen wurde. Einige weitere Lehrkräfte waren im Haus unterwegs, damit die Schulgemeinschaft trotz des Onlineformates das Aschekreuz empfangen konnte.

Es wünschen eine gesegnete Fastenzeit

Christian Mehrmann (Text) und Joachim Ott (Fotos)

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Schulstiftung der Erzdiözese Freiburg