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25.03.2021

„Ein Abschluss im Handwerk ist nie verkehrt.“

23 Schülerinnen erhalten Gesellenbrief

Es ist ein Traum vieler Mädchen, sich die schönsten Kleider, Kostüme und Mäntel selbst zu nähen. 23 ehemalige Schülerinnen des Gymnasiums Kloster Wald sind ihrem Traum ein Stückchen nähergekommen. Sie dürfen sich von nun an „Maßschneiderin“ nennen.

Am Samstag, den 20. März 2021, wurden die Abiturientinnen von 2020 in einem festlichen Rahmen offiziell losgesprochen. Sie sind nun, das betonte Werkstattleiterin Diana Kempf, „befreit von den Rechten und Pflichten“ eines Lehrlings und stehen auf eigenen Füßen.

Die Lossprechungsfeier fand in diesem Jahr zum ersten Mal online statt. Lediglich die Gesellinnen, ihre Meisterinnen sowie Mitglieder der Schulgemeinschaft waren vor Ort. Familien und Freunde mussten aufgrund der Hygienevorschriften daheimbleiben.

Leider konnte – nun bereits zum zweiten Mal – die Modenschau in der Sporthalle der Schule nicht stattfinden, und damit das Highlight am Ende der Lehrlingszeit in Wald.

Seit der Wahl des Lehrberufes haben die Schülerinnen ab der neunten Klasse einen Nachmittag pro Woche in der Werkstatt verbracht. Im Anschluss an das Abitur folgten sieben Monate der ganztägigen Ausbildung, in denen sie intensiv in Theorie und Praxis auf die Gesellenprüfung vorbereitet wurden.

Nun musste der krönende Abschluss auf andere Weise erfolgen. Einerseits zeigten sich die Schülerinnen und ihre Meisterinnen „unglaublich dankbar“ dafür, dass die Ausbildung unter den Bedingungen der Pandemie überhaupt beendet werden konnte.

Andererseits bietet die besondere Situation auch Raum für Kreativität. Großenteils in Eigenregie und mit Hilfe von engagierten Meisterinnen produzierten die Gesellinnen ein Modemagazin, das seinesgleichen sucht. Hochglanzfotos voller Ästhetik und Anmut zeugen vom ganzen Können der jungen Handwerkerinnen.

Dieses Modemagazin ist, so Werkstattleiterin Kempf, nicht nur „wirklich gelungen“. In ihm sei wegen der besonderen Umstände auch die „Zeitgeschichte von 2021 festgehalten“. Vor allem aber zeuge das Ergebnis von der Eigenverantwortung, Selbstdisziplin und Teamfähigkeit, die sich die Mädchen während ihrer Ausbildungszeit erworben hätten.

So bestätigte Harald Herrmann, der Präsident der Handwerkskammer Reutlingen, per Videoschalte, dass es „nie verkehrt“ sei, mit einer abgeschlossenen Handwerksausbildung ins Berufsleben zu starten. Die Gesellinnen hätten mit dem Abschluss unter Beweis gestellt, dass sie Probleme durchdenken und lösen sowie diszipliniert und ergebnisorientiert arbeiten könnten. Er lobte die hohe Qualität der Ausbildung in Wald, die regelmäßig mit landesweiten Auszeichnungen bestätigt wird.

Hervorragend waren bereits die Ergebnisse der Ausbildung. Insgesamt fünf Schülerinnen bekamen Preise: Anna Stander und Albertina Thurn-Valsassina (2,0) sowie Miriam Schelkle und Friederike Wiskandt (1,9). Lisa Barlecaj schloss sogar mit dem Traumergebnis von 1,2 ab.

Entsprechend beeindruckt war Schulleiter Hartwig Hils von den Ergebnissen. Die Lehrlinge hätten „Corona die Stirn geboten“ in diesem Jahr und sich von den Umständen nicht bestimmen lassen. „Maßschneiderei“, fasste er zusammen, „ist für mich wie Zauberei – nur in echt.“

Die Internatsleiterin Rita Schmid verabschiedete insbesondere die ehemaligen Internatsschülerinnen mit guten Wünschen für die Zukunft und mit der Botschaft, dass Kloster Wald, nun als Teil ihrer Erinnerungen, stets die Türe geöffnet hält.

Christian Mehrmann

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