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23.02.2021

„Was ist das für ein Fasten?“

Aschegottesdienst zum Beginn der Fastenzeit

Die Fastenzeit ist eigentlich ein Abschnitt des Jahres, in dem wir freiwillig verzichten: auf Süßes, auf Fernsehen, Alkohol oder auf übermäßigen Konsum. Sie ist ein Ausdruck des Glaubens, der Annahme Gottes und der Vergebung.

Wie aber gehen wir mit dem Gebot des Fastens um in einer Zeit des erzwungenen Fastens, des verordneten Verzichts, der kollektiven Ungeselligkeit, die uns das Ungetüm SARS-CoV-2 auferlegt?

„Was ist das für ein Fasten?“ fragte schließlich Pfarrer Gerhard Müller an diesem Morgen nach Ende der Fasnachtsferien. Am ersten Montag nach dem Aschermittwoch läutet die Schulgemeinschaft am Kloster Wald in einem Gottesdienst die Fastenzeit ein und orientiert sich dabei häufig am Motto der evangelischen Kirche: „7 Wochen ohne“.

Diese Fastenzeit aber ist eine andere, denn das „Ohne“ ist wie kaum etwas Teil unseres Alltags geworden. Seit nunmehr neun Wochen fasten wir Schule und nehmen nur über Big Blue Button oder Teams am Unterricht teil. Wir fasten Friseurbesuche und Shoppingtouren, fasten abendliche Spaziergänge oder überhaupt Begegnungen, verzichten auf Reisen oder die für viele identitätsstiftende Fasnacht.

„Dieses Fasten hält sich nicht ans Kirchenjahr“, betont der Schulseelsorger. Es ist kein freiwilliger Verzicht, keine gewählte Einschränkung, keine begrenzte Zeit der Zurücknahme. Es ist ein Fasten, das für alle gilt und dessen Bruch mit Bußgeldern bestraft wird. Es ist scheinbar endlos, denn wir kennen nicht seinen letzten Tag.

Soll man denn in dieser Zeit der unfreiwilligen Einschränkung nun auch noch freiwillig fasten? Auf noch mehr verzichten und noch weniger Freude haben?

Die Antwort von Pfarrer Müller lautet: ja. Denn die „7 Wochen ohne“, die vor uns liegen, sind eine andere Art des Fastens. Es handelt sich um gewählten Verzicht, ohne Zwang, rein mit dem Ziel, seinem Glauben Ausdruck zu verleihen. Wir fasten und sagen: „Du bist mir wichtig, Gott!“ Dieses Fasten ist mehr als Verzicht. Es ist ein Bekenntnis.

Und: Ist nun die freiwillige Variante besser als die verordnete? Geht sie tiefer oder hält länger an? „Vielleicht brauchen wir beides“, um über diese Zeit zu kommen: das Fasten mit der Vernunft und das mit dem Herzen. So schlägt es der Geistliche vor. Und so wird das Ende der Fastenzeit umso festlicher.

Im Rahmen dieses von Pfarrer Gerhard Müller sowie dem Team der Schulseelsorge um Andrea Hauber und Ulrich Schneider gestalteten Gottesdienstes zeichneten sich die Beteiligten das Aschekreuz auf die Stirn. Die Zuschauenden an den Bildschirmen waren eingeladen, ihnen dies nachzutun.

Zuletzt hatten Werkstattleiterin Diana Kempf, Internatsleiterin Rita Schmid und Schulleiter Hartwig Hils das Wort. Frau Kempf wies auf die Gesellenprüfungen und Lossprechungsfeiern hin, die derzeit unter Pandemiebedingungen stattfänden. Frau Schmid begrüßte alle Internen zurück an der Schule und Herr Hils dankte noch einmal allen Beteiligten am Gottesdienst, vor allem auch der musikalischen Begleitung durch Martin Herr und Carola Kaut.

Den Schlusspunkt bildete die frohe Kunde von der erfolgten Impfung der Schwestern gegen das Coronavirus. Hoffen wir, dass dies ein gutes Zeichen ist; dass diese Zeit des Verzichts irgendwann vorbei geht und am Ende reich belohnt wird.

Christian Mehrmann

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Schulstiftung der Erzdiözese Freiburg