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02.01.2021

Was tun bei Cybermobbing?

Präventionsworkshops in den Klassen 7 und 8

Ella traut sich kaum noch, auf ihr Handy zu schauen, wenn es blinkt – es könnte eine neue Nachricht in der Klassengruppe sein. Eine Bemerkung über ihre Klamotten, ihre Frisur, ihre Meldung in der letzten Bio-Stunde. Seit Wochen schon geht das nun schon so. Ella ist Opfer von Cybermobbing geworden. Aber an wen soll sie sich wenden: eine Lehrkraft? Die Schulleitung? Die Polizei?

Die Situation von Ella ist frei erfunden, aber doch realistisch. Cybermobbing als Thema wird unter Jugendlichen immer relevanter. Da Kinder immer früher ein Smartphone bekommen und somit Zugang zu Internet und Messenger-Diensten haben, weitet sich auch das Mobbing auf eine immer jünger werdende Gruppe aus und verlagert sich stärker aufs Internet. Für Eltern wird es zunehmend schwieriger, die Online-Aktivitäten ihrer Kinder zu kontrollieren und sie vor Mobbing zu schützen.

Am Gymnasium Kloster Wald sollen Schülerinnen möglichst früh für das Problem Cybermobbing sensibilisiert werden. Ein Angebot zu „Internetprävention und Cybermobbing“ findet regelmäßig in Klassenstufe 6 statt und ist ein fester Bestandteil im Sozialcurriculum der Heimschule.

Für das Projekt, das an einem Vormittag volle 6 Unterrichtstunden beansprucht, kommen eigens Experten ins Haus, so auch an diesem Morgen im Dezember 2020. Zwei Kommissare der Polizei behandeln mit den Schülerinnen das Thema Internetprävention, während Michael Weis, ein Medienpädagoge von der Jugendagentur jumax des Landratsamtes Sigmaringen, mit den Mädchen über Cybermobbing spricht.

Wegen des Lockdowns im Frühjahr konnten im letzten Schuljahr sowohl in Klasse 6 die Projekte „Internetprävention und Cybermobbing“ als auch in Klasse 7 die „Internetprävention“ nicht stattfinden und wurden in diesem Schuljahr nachgeholt.

Polizeihauptkommissar Fabian Hengstler von der Präventionsabteilung des Polizeipräsidiums Ravensburg sprach in seinem Vortrag zahlreiche Themen rund um das Internet an. Beispielsweise gab er Verhaltenstipps für die digitale Kommunikation und informierte über strafbare Inhalte in Whatsapp und anderen Messengern: Dinge wie Gewaltverherrlichung und Pornographie, aber auch verfassungsfeindliche Symbole und Beleidigungen. Er sprach mit den Schülerinnen über das „Recht am eigenen Bild“ und wie sie ihre Passwörter sicherer gestalten können. Cybermobbing, Fakenews, Sexting und Cybergrooming (die Kontaktaufnahme mit der Absicht des sexuellen Missbrauchs) waren weitere Inhalte auf seiner Agenda. Schließlich stellte er das polizeiliche Ermittlungsverfahren bei Cyberkriminalität vor und gab Kontaktdaten für den Ernstfall an.

Das Thema „Cybermobbing“ wurde von den Schülerinnen der Klassen 7 in Gruppenarbeiten recherchiert und anschließend anhand eines Plakates präsentiert. Die Mädchen beschäftigten sich mit dem Begriff Cybermobbing, mit dessen strafrechtlicher Einordnung sowie mit „Erster Hilfe bei Cybermobbing“: Was kann eine Betroffene tun und wo bekommt man Hilfe.

Im Internet wird negatives Verhalten häufig durch die unpersönliche Möglichkeit, sich mitzuteilen oder andere zu attackieren viel heftiger ausgelebt als im realen Leben. Und das macht Cybermobbing so viel schlimmer als das persönliche Mobbing auf dem Pausenhof. Es gibt an Schulen Mobbinginterventionen, die Schulsozialarbeit, Beratungs- und Vertrauenslehrkräfte, die Mobbing bemerken, ansprechen und hoffentlich verringern können. Mobbing online ist unausweichlicher und hält meist länger an, weil Eltern, Lehrkräfte und Mitschüler es in den wenigsten Fällen direkt mitbekommen.

Die Schülerinnen folgten den Ausführungen aufmerksam, hörten zu, machten mit, teilten sich mit und stellten viele Fragen. Einige Schülerinnen wussten bereits schon vieles zu manchen Themen und wie sie sich verhalten sollten. Auf die Frage, was sie aus den 6 Stunden mitnehmen, kamen unterschiedliche Antworten: „Ich werde mein Passwort ändern oder nochmal überdenken.“ „Ich weiß jetzt, was ich bei Cybermobbing machen kann.“ „Ich werde mich nicht mit fremden Menschen treffen“, die häufig beim Cybergrooming Kontakt zu Minderjährigen aufnehmen.

Die begleitende Schulsozialarbeiterin Andrea Lichtenberger betonte: „Neben dem Thema Cybermobbing finde ich vor allem auch die Themen Fakenews und Sexting wichtig, besonders bei Mädchen.“ Zum einen sollten es Jugendliche möglichst früh einüben, im Internet genauer hinzuschauen und Inhalte zu hinterfragen.

Zum anderen aber müssen sie lernen, selbst Verantwortung für ihre Inhalte zu übernehmen. Es sei wichtig zu wissen, „wie ich mich auf Sozialen Medien präsentiere und zu hinterfragen, ob ich unbedingt einwilligen soll, wenn der erste Freund intime oder Nacktfotos geschickt bekommen möchte.“

Andrea Lichtenberger und Christian Mehrmann

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