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01.01.2021

In der Küche mit dem Sternekoch

Stefan Marquard am Kloster Wald

„Wir wollen wieder eine junge Generation, die Bock auf Kochen hat“, so beschreibt Stefan Marquard seine Mission. Am Samstag, den 12. Dezember, war er mit seinem Team an der Heimschule Kloster Wald, um mit einer Gruppe von Internatsschülerinnen und dem Küchenpersonal das Essen in der Mensa noch besser zu machen.

Tatsächlich gibt es gar nichts zu meckern am Schulessen in Wald. Das Kloster hat eine eigene Küche, wo täglich hunderte Mahlzeiten für interne und externe Schülerinnen gekocht werden. Auch die ganztägigen Lehrlinge und die noch verbliebenen Schwestern profitieren von den leckeren Kreationen des Küchenteams, das sieben Tage die Woche und sogar in den Ferien im Einsatz ist. Die Damen um Chefin Andrea Wolf sind ständig bemüht, auf Essgewohnheiten einzugehen und ihr Angebot zu erweitern. So wird hier beispielsweise auch vegan und glutenfrei gekocht.

Stefan Marquard, der als Fernsehkoch mit langer Mähne, dicker Hornbrille und buntem Piratentuch unter anderem aus dem „Promi Dinner“ oder dem „ZDF-Fernsehgarten“ bekannt ist, betreibt nicht weit von Wald entfernt, in Meersburg am Bodensee, ein eigenes Restaurant. Im Jahr 2015 rief er zusammen mit der Knappschaft Krankenversicherung das Präventionsprojekt „Sterneküche macht Schule“ ins Leben, das Schülerinnen und Schüler für gesünderes Essen sensibilisieren soll. Dabei besucht der Koch einen Tag lang die Küche einer ausgewählten Schule, analysiert Abläufe, Arbeitsweisen und Lebensmittel, gibt praktische Tipps und kocht leckere Speisen.

Von den Ergebnissen haben alle etwas. Morgens halb zehn in Wald beginnt die große Pause. An verschiedenen Standorten im ganzen Gebäude stehen Schülerinnen in roten Schürzen und geben leckere Apfel-Möhren-Smoothies aus, die sie selbst mit zubereitet haben. Es ist ein kalter und verregneter Tag und so recht wollen die köstlichen Getränke keinen Absatz finden. Erst als klar wird, hier gibt es etwas kostenlos, greifen die Schülerinnen zu und schlürfen genüsslich den gesunden Trunk.

Den ganzen Morgen über trainieren der Sternekoch und sein Team mit einer Handvoll Schülerinnen aus dem Internat und dem Küchenpersonal. Es wird gewuselt und gezeigt, geschnitten und erklärt. Von außen könnte der Eindruck entstehen, hier geht es hektisch zu. Aber tatsächlich wird hier nur gut und schnell gearbeitet. Man erfährt so einiges über Essensplanung, den Einkauf von Lebensmitteln, die richtige Lagerung, Zubereitung und sogar das Anrichten der Speisen.

Und kochen soll man ja nebenbei auch noch. Zum Mittag steht Süßkartoffelragout auf der Speisekarte, wahlweise mit Fleisch oder Fisch – kostenlos für alle, die an diesem Samstagmittag noch an der Schule sind. Am Nachmittag zeigen die Profis um Stefan Marquard den Schülerinnen einige Kochtricks. „Wir haben gelernt, wie man manches Gemüse, z.B. Paprika, einfach und schnell schneiden kann und Essen mit wenig Aufwand frischer schmeckt“, berichtet die Abiturientin Antonia von Franckenstein. Der Tipp, dass ein Stück Ingwer im Kochwasser die Nudeln aufraut und sie damit mehr Soße aufnehmen können, blieb Philippa von Lülsdorff besonders in Erinnerung. All dies war aber nur Vorbereitung auf das große Finale, das am Abend folgen sollte.

Gegen 18 Uhr laufen sämtliche Internatsschülerinnen der Klosterschule ein für das große Diner. Sie haben sich fein herausgeputzt, Makeup aufgelegt und Kleider angezogen. In der Mensa herrscht eine vorweihnachtliche Stimmung, schummrige Beleuchtung, im Weiher spiegeln sich die Lampen und von irgendwoher tönt sanfte Klaviermusik.

Zum Abendessen sitzen die Schülerinnen gespannt an ihren liebevoll dekorierten Tischen und lassen sich von einigen anderen direkt am Platz bedienen. Es wird Kürbiscremesuppe kredenzt, anschließend Salat und als Hauptgang lauwarmer Hühnchen-/Gemüsesalat auf Currycreme. Ein Mandel-Kirsch-Dessert nach Art des Hauses rundet das Menü ab und ein schöner, aufregender, ein ganz besonderer Tag geht zu Ende.

Das Internat in Wald hat seine Bewerbung für eine Teilnahme an dem Projekt schon im Dezember 2018 eingereicht, aber wie so vieles in letzter Zeit war auch dieser Termin eigentlich eher geplant. Dann kam Corona. So kann man am Ende von Glück sprechen, dass zumindest dieser neue Versuch – vier Tage vor dem nächsten Lockdown am 16. Dezember, doch noch umgesetzt werden konnte. „Das Event“, betont Erzieherin Viola Rößler, „kam genau noch zur richtigen Zeit, so dass die Mädels ihre Eindrücke auch mit nach Hause nehmen können.“

Die beteiligten Schülerinnen berichten unisono von einem außergewöhnlichen Tag. Besondere Events, die in diesen Zeiten Abwechslung und Spannung bringen, werden im Internat besonders geschätzt. „Alle waren super begeistert“, hält Viola Rößler fest. „Die Mädchen möchten so etwas unbedingt wieder machen.“

Luise zu Wied, Oberstufenschülerin in Wald, fasst den Tag so zusammen: „Es war alles sehr spannend wie auch lehrreich und das Essen war köstlich“ – besser kann man es kaum auf den Punkt bringen.

Christian Mehrmann

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