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31.07.2020

Am Ende des Schuljahres – ein Blick zurück

So endet das Schuljahr 2019/20. Ein Jahr, das ganz anders verlaufen ist, als sich irgendwer im September 2019 hätte vorstellen können.

Es wird in die Erinnerung eingehen als das „Jahr ohne…“, denn was musste nicht alles entfallen oder verschoben werden: Studienfahrten, Klassenfahrten, Unibesuche, Soziale Dienste, Laetare, Besinnungstage, Girls‘ Day, Modenschau und Lossprechung der Maßschneidergesellinnen, der Gottesdienst in der Birnau, Theatervorstellungen, Gottesdienste, Jubiläen, Ausflüge im Internat, Mitarbeiterstammtische, das Chorsingen und gemeinsame Musizieren, zuletzt Abiball und Abistreich. Corona hat vieles geraubt, das zu uns in Wald gehört; das die Gemeinschaft der Heimschule Kloster Wald ausmacht. Ganz nebenbei war es ein „Jahr ohne Schule“. Knapp zwei Monate war das Haus geschlossen und das Lernen nur auf Distanz und mithilfe des Computers möglich. Es ist ein Jahr ohne Nichtversetzung.

Das Schuljahr 2019/20 wird aber auch in die Erinnerung eingehen als das „Jahr mit…“, denn was durften wir nicht alles neu lernen, welche Perspektiven mussten wir nicht einnehmen, Bekanntes und als selbstverständlich Angenommenes hinterfragen. Da sind neue Begriffe, die Teil unseres Alltags sind, wie Lockdown, Abstandsgebot, social distancing, coronabedingt, Maskenpflicht, Homeschooling, Hygienekonzept, systemrelevant, Notbetreuung oder zweite Welle. Da sind neue Dinge, die Teil unseres Alltags geworden sind, wie die Maske, Plexiglasscheiben, Absperrbänder und Bestecktäschchen. Da sind neue Werkzeuge, die uns beim Lernen helfen, wie Moodle, BigBlueButton, Zoom, Videokonferenzen, Skype-Termine und selbst produzierte Lernvideos.

Aber da war auch schon vor Corona etwas, das so noch nie da gewesen war. Erinnert ihr euch noch an den Tag „sturmfrei“, als Sabine einigen von uns den Weg nach Wald verbaute? Im Rückblick ließe sich schon beinahe von Vorboten sprechen.

In der ganzen Corona-Zeit ging auch einiges unter, das zu unserem Konvent gehört. Drei Schwestern, Schwester Herrad, Schwester Hildegard und Schwester Crysantha, begingen im Juni ihre diamantenen Professjubiläen. Seit 60 Jahren sind sie nun schon Teil des Ordens.

Leider gingen auch einige Schwestern von uns. Schwester Itta van Berkum verstarb am Pfingstmontag, den 1. Juni. Sie hatte sich seit 1980 im Internat von Wald vor allem um die Unterstufe gekümmert. Knapp zwei Wochen später verstarb Schwester Maura Schwab, die zwischen 1969 und 1992 in Wald den Berufsschulunterricht für die Hauswirtschaftslehrlinge gestaltete. Schließlich am 19. Juli verließ uns Schwester Notburga Haidlauf, die sich als Ausbilderin lange Jahre ebenfalls um die Hauswirtschaft von Kloster Wald verdient gemacht hatte. Diese Ereignisse und Geschehnisse wären unter üblichen Bedingungen in den Gottesdiensten der Schulgemeinschaft angesprochen worden. Ohne solche Feiern blieben derlei Infos jedoch auf der Strecke.

Das Schuljahr 2019/20 wird aber auch in die Erinnerung eingehen als das Jahr, in dem die Seelsorge und Begleitung der Schülerinnen über den üblichen Rahmen hinaus wichtig wurde. Die Zeit der Schulschließung war für viele der Schülerinnen eine harte Zeit der Prüfung: Wie organisiere ich meinen Lernalltag, wie komme ich ohne Freundinnen aus, wie ist es, den ganzen Tag daheim zu sein, wie überstehe ich diese Krise, wie kann ich gesund bleiben, wie gehe ich mit dem Verlust um?

Andrea Lichtenberger von der Schulsozialarbeit bot während des Lockdowns und auch in den Ferien Sprechzeiten und Möglichkeiten der Kontaktaufnahme, Beratung und Begleitung.

Die Schulseelsorge hat versucht, mit digitalen Angeboten Unterstützung zu bieten und den Kontakt mit Wald aufrecht zu erhalten. Ganz besonders bleibt das Engagement von Ulrich Schneider in Erinnerung, der zu Ostern und Pfingsten mit kleinen Impulsen und Videos uns daran zu erinnern versuchte, dass wir auch im Abstand Nähe brauchen, dass wir eine Gemeinschaft sind, obwohl wir nicht oder nicht alle gleichzeitig in der Schule sein dürfen. Dass wir alle Individuen sind, gleichzeitig Teil einer Gruppe und alle gleich vor Gott und Teil seiner Barmherzigkeit, das war die zentrale Botschaft der – abstandsbedingt – sieben (!) Abschlussgottesdienste am Donnerstag und Freitag vor dem Ende des Schuljahres. Mit Holztafeln und individuell gestalteten farbigen Kärtchen setzten sich die Klassen vor den Ferien symbolisch wieder zusammen, begleitet von den Kranichen der SMV.

Diese wunderbare Aktion verdient besondere Würdigung. All ihre Gedanken während der Corona-Zeit sollten die Schülerinnen auf ein Blatt Papier schreiben und in einen Kranich verwandeln. Der Kranich gilt in der japanischen Kultur als Glücksbringer. Hunderte gefaltete Vögel, gestaltet und beschrieben durch und mit unseren Sorgen und Hoffnungen, flogen an verschiedenen Orten auf dem Schulgelände. Sie sollten Flügel bekommen und aus der Verarbeitung neue Kraft entstehen lassen.

Nicht zu vergessen: die Kreativität und Schaffenskraft, die die Schneidermeisterinnen aufgebracht haben, um uns alle mit Masken zu versorgen; das Küchenpersonal, das uns auch unter Pandemiebedingungen leckere und abwechslungsreiche Mahlzeiten lieferte; die Frauen von der City, die unsere Räume reinigten und desinfizierten; unsere Hausmeister, die Umbauten ermöglichten und einen Live-Stream vom Abigottesdienst; unsere Sekretärinnen, die organisierten und möglich machten; unsere Erzieherinnen, die das Internat am Laufen halten; unsere Lehrerinnen und Lehrer, die sich auf das Experiment Online-Unterricht von einem Tag auf den anderen einlassen mussten; unsere Schulleitung, die bei allem Durcheinander irgendwie das Ruder in der Hand behielt; unsere Schwestern, die uns im Gebet begleiteten und der Schule Leben gaben, als das Schulleben gerade still stand; unsere Schülerinnen, die durch Corona Vieles nicht erleben durften, aber dafür Anderes gestalten.

Zuletzt wird der Abschied von Kolleginnen und Kollegen so ganz anders und viel weniger feierlich als sonst. Karin und Oliver Gäng verlassen nach Jahrzehnten des Engagements die Schule in den wohlverdienten Ruhestand, Pfarrer Dr. Winfrid Keller verlässt Wald und übernimmt eine Gemeinde im Freiburger Osten, Margaretha Bucher-Schneider sucht neue berufliche Herausforderungen in Radolfzell. Bereits zum Ende des ersten Halbjahres verließen mit Barbara Müller und Rolf Croisier zwei Walder „Urgesteine“ die Schule in den Ruhestand.

„Wie schön wären normale Zeiten.“ Diese Worte fand ich in einer Nachricht von Frau Kempf zur Hoch-Zeit des Lockdowns vor Ostern. Solche normalen Zeiten wünsche ich uns. Einfach in die Schule gehen, lernen, lehren, leben. Leisten wir unseren Beitrag dazu, dass das Schuljahr 2020/2021 wieder ein „ganz normales“ oder zumindest ein „halbwegs normales“ werden kann. Bleiben wir gesund, tragen wir eine Maske, halten wir Abstand.

Erholsame Ferien wünscht

Christian Mehrmann

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Schulstiftung der Erzdiözese Freiburg