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05.03.2020

Aschegottesdienst

Gottesdienst zum Beginn der Fastenzeit

Wer ein Werkzeug braucht, möchte meist etwas reparieren. Stühle, Fahrradschläuche, technische Geräte – nichts ist für die Ewigkeit gebaut und geht irgendwann kaputt. Aber sind Werkzeuge allein deswegen schon etwas Negatives? Ein Zeichen von Verschleiß und Vergänglichkeit?

Mit dieser Frage, dieser Metapher öffnete der Schulgottesdienst zum Beginn der Fastenzeit. Üblicherweise stellt an dieser Stelle Pfarrer Gerhard Müller das Motto der evangelischen Kirche zur Fastenzeit vor: „7 Wochen ohne…“. Dieses Jahr mussten wir den Gottesdienst jedoch ohne den Pfarrer feiern, der von Schulseelsorger Ulrich Schneider vertreten wurde und der zusammen mit Schülerinnen der 11. Klasse durch den Gottesdienst führte. „7 Wochen ohne Pessimismus“ heißt das neue Motto. Sieben Wochen voller Zuversicht.

Wer ein Werkzeug braucht, möchte meist etwas reparieren. Und wer etwas reparieren möchte, hat einen Plan. Wer ein Werkzeug zur Verfügung hat, mit dem ein Schaden repariert werden kann, hat auch Zuversicht; hat Hoffnung darauf, das Beschädigte schon bald wieder zum Laufen zu bringen. Mit dem richtigen Schraubenschlüssel lässt sich das Fahrrad reparieren, mit einer gut gesetzten Schraube vielleicht der Stuhl. Werkzeuge sind – so betrachtet – keinesfalls ein Zeichen von Ohnmacht, sondern im Gegenteil „Instrumente zur Überwindung von Ohnmacht“.

Und so kommt es – wie so oft – auch beim Werkzeug auf die Perspektive an. Wenn wir auf unsere Welt schauen, sehen wir viel Schlimmes: Corona, Idlib, Syrien, Klimawandel usw. Aber wenn wir einmal eine andere Brille aufsetzen und nach dem Guten schauen, finden wir fast noch mehr Positives: eine höhere Lebenserwartung, eine geringere Kindersterblichkeit, weniger Flugzeugabstürze, mehr Wald, liberalere Einstellungen, weniger Kriegstote, weniger Armut, um nur einige Beispiele zu nennen. Natürlich ist nicht alles gut – so macht der Predigttext von Pfarrer Müller klar – und noch viel muss getan werden, aber doch: vieles ist besser geworden.

Auch wir Menschen sind Werkzeuge: Werkzeuge Gottes. Wir sind mit individuellen Fähigkeiten und Know-how ausgestattet, mit dem wir Gutes tun können. Wir sind von Gott gesegnet und damit gleichzeitig beauftragt und befähigt, die Erde zu einem besseren Ort zu machen. So muss der Mensch nicht nur als Zerstörer der Natur gesehen werden, als Verschmutzer und Schädling im Anthropozän. Sie, die Menschheit, kann auch gestalten, verbessern, reparieren. Wir müssen nur zuversichtlich sein und dem ewigen Pessimismus etwas entgegensetzen. Für sieben Wochen sollte das doch möglich sein.

Der Gottesdienst schloss mit Ankündigungen und einem neuen Mitglied der Hausgemeinschaft. Schulseelsorger Ulrich Schneider bietet für die Schülerinnen wieder einen Achtsamkeitskurs an, auch die Medi-Pausen am Freitag (große Pause) werden wieder regelmäßig stattfinden. Im Rahmen der Misereor-Fastenaktion wurde Besuch aus Libyen angekündigt. Außerdem gibt es einen neuen Hausmeister. Nach dem Ausscheiden von Klaus Restle in den wohlverdienten Ruhestand wird ab sofort Reinhold Orend aus Pfullendorf das Team der Hausmeister unterstützen.

Zuletzt sei Dank gesagt: An Martin Herr für die musikalische Gestaltung und Unterstützung des Gottesdiensts sowie an Ulrich Schneider für die kurzfristige Vertretung von Pfarrer Müller. Es war auch der Lateinerchor von Herrn Schneider, der die Spende der Aschekreuze als Zeichen der beginnenden Fastenzeit stimmgewaltig begleitete.

Christian Mehrmann

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Schulstiftung der Erzdiözese Freiburg