Außenansicht mit See – Kloster Wald – Gymnasium – Intenat – Lehrwerkstätten
Menü
17.02.2020

Vom Stiftehalter zum Gesellenstück

Ausstellung und Lossprechung von 23 Junggesellinnen

Viele Schülerinnen entscheiden sich für die Heimschule Kloster Wald, weil sie hier ab der 9. Klasse neben der schulischen Ausbildung eine Lehre zur Schreinerin, Holzbildhauerin oder Maßschneiderin absolvieren können. Für 17 Schreinerinnen und sechs Holzbildhauerinnen endete am vergangenen Samstag, den 15. Februar 2020, der letzte Ausbildungsabschnitt. Sie dürfen sich nun mit Stolz Gesellinnen nennen.

Der Lossprechungsfeier am Samstag ging eine Neuerung voran: Am Freitagabend fand eine Ausstellung der Gesellenstücke der Schreinerinnen in der Turnhalle der Schule statt. Die Ausstellung war öffentlich und von den Gesellinnen selbst organisiert. In einer lockeren Atmosphäre präsentierten und erklärten die jungen Handwerkerinnen die Ergebnisse ihrer Arbeit, demonstrierten Funktionsweisen und erläuterten ihre Ideen und Gedanken.

Während der feierlichen Lossprechung der 23 Gesellinnen betonte Diana Kempf, die Leiterin der Werkstätten der Schule, dass die handwerkliche Ausbildung zum Kern des Schulkonzepts gehört. Im Dreieck der ganzheitlichen Bildung aus Kopf, Herz und Hand bilde das Handwerk eine entscheidende Komponente. Während der viereinhalbjährigen Ausbildung hätten sich die Gesellinnen Respekt und Achtung vor dem Handwerk erarbeitet, körperliche Anstrengung erlebt, ihr Auge geschult, Flexibilität, Ausdauer und Disziplin gelernt – allesamt Kompetenzen, die in jedem Beruf gebraucht würden.

Der Präsident der Handwerkskammer Reutlingen, Harald Herrmann, lobte die besonders hohe Qualität der handwerklichen Ausbildung in Wald, die jedes Jahr preisgekrönt würde. Leider, so bedauerte er, würden wohl nur wenige der Junggesellinnen dem Handwerk treu bleiben; die meisten ziehe es wohl in akademische Berufe. Dennoch zeige Wald, dass Abitur und Handwerk nicht im Widerspruch stünden und der Weg ins Handwerk auch später immer offenbliebe – zumal in Zeiten hoher Zahlen an Studienabbrechern.

Nach einer kurzen Ansprache von Schulleiter Hartwig Hils kamen auch die frisch ernannten und freigesprochenen Gesellinnen zu Wort. Stellvertretend für die Schreinerinnen berichteten Dana Fritz und Leonie Reichert von den vergangenen viereinhalb Jahren in den Werkstätten – von den Anfängen während der Schnuppertage in Klasse 8 („was waren wir dabei schon überfordert“) bis zur Zeit der ganztägigen Ausbildungsphase nach dem Abitur. Mit einem Augenzwinkern und kurzen Anekdoten baten sie jede ihrer Mitgesellinnen auf die Bühne. Auch ihre Meister bedachten sie mit einem Korb voller guter Sachen.

Auch die Holzbildhauerinnen schwelgten in Erinnerungen an so manche schöne wie anstrengende Zeit. Eine eigene Rolle spielte „Uschi“, ein Skelett, das in der Werkstatt zum Studium der menschlichen Anatomie benutzt wird. Frisch eingekleidet kommentierte sie eine Diashow mit Eindrücken aus der gemeinsamen Ausbildungszeit.

Die Zuschauer bekamen den Eindruck, dass hier für 23 junge Menschen eine sehr intensive und erinnerungsreiche Zeit zu Ende geht. Viereinhalb Jahre mit denselben Menschen eine Werkstatt teilen, Momente der Euphorie und der Frustration durchstehen, gemeinsame Ideen entwickeln und Probleme lösen gehen kaum ohne Spuren an einem vorbei. Neben dem Abitur haben die Schülerinnen nun noch einen Gesellenbrief und damit eine abgeschlossene Berufsausbildung in der Hand. Sie haben damit bewiesen, dass sie verantwortungsvoll, strukturiert und zielgerichtet arbeiten können. Das ist bemerkenswert und eine große Leistung.

Besonders hervorgehoben gehören die Leistungen, die mit Preisen ausgezeichnet wurden. Bei den Holzbildhauerinnen bekamen Katharina Bischof und Lea Müller einen Preis für die Gesamtnote 1,9. Getoppt wurde diese Leistung von Caroline Vogel, die mit einem Durchschnitt von 1,3 die Ausbildung bestand. Bei den Schreinerinnen können sich Helena Harzmann-Deis (2,0) sowie Anne-Kathrin Menzel und Dana Fritz (jeweils 1,9) über einen Preis für die hervorragende Leistung freuen.

Musikalisch umrahmt wurde die Feier von Pauline Hoheisel (Gesang), Marie von Truchseß und Corinna Krall (beide Klavier) sowie dem Violinenduo Alma und Rosa Nonell, mit Ausnahme der Letzteren allesamt selbst Gesellinnen.

Nach dem Ende der Lossprechungsfeier luden die nun fertig Ausgebildeten nochmals zur Besichtigung ihrer Gesellenstücke in die Turnhalle sowie in den Kapitelsaal des Klostergebäudes ein, wo die Gesellenstücke der Holzbildhauerinnen zu betrachten waren.

Christian Mehrmann

zurück
Schulstiftung der Erzdiözese Freiburg