Außenansicht mit See – Kloster Wald – Gymnasium – Intenat – Lehrwerkstätten
Menü
13.06.2019

„Sowohl als auch“ statt „Entweder, oder.“

Interview mit Rita Schmid

Rita Schmid ist seit dem Laetare-Wochenende die Leiterin des Internats der Heimschule Kloster Wald. Die ehemalige Schülerin einer von Franziskanerinnen geleiteten Internatsschule tritt in die Fußstapfen von Dorothea Mangold. Wir wollten wissen, welche ihre ersten Eindrücke an der Schule waren und worauf sie sich in ihrer Arbeit besonders freut.

Frau Schmid, wie fühlen Sie sich im Internat?

Ich hatte einen Start, wie man ihn sich nicht besser wünschen kann. Einmal, weil ich direkt zum neuen Halbjahr kam und die Abläufe mitbekommen konnte. Dann mit der tollen Begleitung und Übergabe durch Frau Mangold. Sie ist sehr erfahren, hat mich ganz vorbehaltlos aufgenommen und mir alle wichtigen Informationen gegeben. Alle Menschen, die ich hier in Wald treffe, sind mir sehr zugewandt. Egal ob Schülerinnen und Mitarbeitende, Schwestern, das Lehrerkollegium, Erzieherinnen oder Eltern.

Wann begann denn Ihre Zusammenarbeit mit Frau Mangold?

Wir arbeiten seit Januar zusammen. Aus beruflichen Gründen konnte ich anfangs nur sporadisch da sein. Im Februar war ich bei Aufnahmegesprächen mit Schülerinnen und deren Eltern dabei. Ab März war ich drei Tage die Woche vor Ort. Während dieser Zeit haben Frau Mangold und ich sehr viele Gespräche geführt. Seit Mitte Mai bin ich nun zu 100 Prozent in Wald.

Was ist Ihnen denn aus den ersten Wochen in Wald besonders in Erinnerung geblieben?

Die Umgebung, die historischen Gemäuer, das spricht mich total an. Außerdem die Menschen, die ich als sehr aufgeschlossen, zugewandt und unterstützend empfinde. Ich fühle mich einfach angenommen.

Wurden Sie den Schülerinnen des Internats vor einer großen Runde vorgestellt?

Das hat begonnen, als ich zum Abendessen das erste Mal in der Mensa war und Frau Johner unvermittelt auf mich zukam und sagte: Frau Schmid, ich schlag jetzt mal den Gong und dann machen Sie eine kleine Antrittsrede für die Mädchen. Das hat mir erst einmal den Atem verschlagen. In den letzten Wochen habe ich mich immer mal abends an verschiedene Tische gesetzt und mich mit den Mädchen unterhalten. Tagsüber verbringe ich viel Zeit mit Organisation, in kleinen Arbeitsteams und mit Gesprächen. Nach 18 Uhr ist dann die Zeit für die Mädchen. Ich stehe auch im Austausch mit den Mitgliedern der IMV, die sehr viele bedenkenswerte und hoffentlich umsetzbare Ideen haben.

Wie wurden Sie überhaupt auf Wald aufmerksam?

Für die Stelle im Internat gab es zwei Informationsquellen. Einmal über Frau Arnold. Ihr Mann und mein Mann waren im Konvikt in Sigmaringen, dadurch gab es eine Verbindung, über die ich von der Stelle erfahren habe. Die andere Verbindung war zu Herrn Kirchgässner. Dessen Frau und Schwägerin und auch er sind mit meinem Mann und mir sehr gut befreundet. Das war der Anlass, einfach vorbeizukommen. Ich habe mir mit Frau Arnold alles angeschaut und war sofort ergriffen, habe die Bewerbung geschrieben und meine Würfel ins Spiel geworfen.

Können Sie etwas zu konkreten Vorstellungen und Wünschen für die Arbeit in Wald sagen?

Grundsätzlich bin ich ein besonnener Mensch, der nicht vorschnell Entscheidungen trifft. Ich möchte erst einmal ankommen, viele Gespräche führen und die Arbeitsprozesse, die Mentalität und das System verstehen. Ich möchte mir Zeit lassen, konkrete Vorstellungen zu entwickeln. Aber ich habe verstanden, dass es hier in Wald um mehr geht als nur um Erziehung. Es geht nicht nur um eine schöne Atmosphäre und ein gutes Miteinander, sondern auch um den benediktinischen Geist: eine Mentalität, die von den Schwestern geprägt wurde und wird und einfach weiterhin Bestand haben soll.

Sie sprechen vom „Geist von Wald“?

Nun, ich habe jetzt schon einige ehemalige Schülerinnen, Urwälderinnen, getroffen, die ihre Kinder zur Vorstellung gebracht hatten und die mir dann begeistert von früher erzählten. Die Gerüche seien noch genauso wie damals und auch die Zimmer, die Namen der Räume. Ich wünsche mir, dass die Mädchen, die jetzt kommen oder da sind, dass auch diese in 20/30 Jahren kommen und sagen: der Geruch, die Atmosphäre, die Räumlichkeiten haben Bestand. Dennoch bin ich ein innovativer Mensch und finde, dass man sich sowohl dem Zeitgeist stellen und gleichzeitig das Zeitlose bewahren kann. Ich denke eher im „Sowohl als auch“, nicht im „Entweder, oder“. Nachhaltigkeit ist dabei ein Thema, ein großes Thema unserer und der nächsten Generationen, das man ernst nehmen muss. Ich freue mich, dass es hier Initiativen gibt, beispielsweise die Fair-Trade-AG oder den Schülerladen, die man intensivieren kann.

Kurz und konkret: Worauf freuen Sie sich am meisten?

Die Arbeit mit den Mädchen, die pädagogische Arbeit mit den Erzieherinnen und darauf, viele Interessensgruppen unter einen Hut zu bringen. Ich bin ein Mensch, der Abenteuer und Herausforderungen liebt. Ich empfinde mich auf der Höhe meiner Schaffenskraft und freue mich darauf, die Ärmel hochzukrempeln und loszulegen.

Interview: Christian Mehrmann, Joachim Ott
Foto: Joachim Ott

zurück
Schulstiftung der Erzdiözese Freiburg