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15.04.2019

Individualität in Mode

Lossprechung der Schneiderinnen der Heimschule Kloster Wald

25 junge Abiturientinnen der Heimschule Kloster Wald dürfen sich von nun an Schneidergesellinnen nennen. Eingerahmt von zwei Modenschauen fand am Samstag, den 6. April die feierliche Lossprechung statt. Für die Mädchen endet damit eine viereinhalbjährige Ausbildungszeit an der Heimschule.

Viele Schülerinnen wählen die Heimschule Kloster Wald wegen des Zusatzangebots der handwerklichen Ausbildung. Ab dem 9. Schuljahr können sie eine Handwerkerlehre in einem von drei Berufen absolvieren. Ein Großteil der Schülerinnen entscheidet sich für die Maßschneiderlehre, andere für die Ausbildung zur Schreinerin/Tischlerin oder Holzbildhauerin. Parallel zur Schule in den Klassen 9 bis 12 und in einem dreiviertel Jahr in Vollzeit mit Theorie und Praxis nach dem Abitur absolvieren sie eine umfassende Berufsausbildung.

Die Ergebnisse präsentierten die Schülerinnen am Freitag und Samstag in zwei Modenschauen. Gezeigt wurden Stücke aus allen Ausbildungsjahren, jeweils in das Thema „Dress fo(u)r seasons“ eingewoben. Den Auftakt machten die Gesellenstücke: „Ein Kostüm oder Hosenanzug mit Accessoire.“ Es folgte bunte Frühlingsmode auf Wintermäntel und Verspieltes zum Valentinstag. Herbstliche Farben lösten luftige Sommermode ab, bevor die Mädchen ihre selbstgenähten Abendkleider für den Abiball zur Schau stellten.

Diana Kempf, die Leiterin der Werkstätten der Schule, zeigte sich während der Lossprechung mit den Ergebnissen zufrieden. Vier der 25 Gesellinnen erhielten für ihre sehr guten Ergebnisse einen Preis. Kempf betonte in ihrer Rede, dass Mode früher ein Symbol für Status und Reichtum war. Heute jedoch sei Mode immer mehr ein gesellschaftliches Phänomen und Massenprodukt statt Ausdruck der Individualität. Dennoch sei Mode eigentlich genau das: ein Teil der Persönlichkeit, daran erinnere auch die Maßschneiderlehre. „Ich drücke mit meiner Mode aus, was ich bin.“ Insofern ist die Ausbildung Teil der Persönlichkeitsentwicklung gewesen. Gleichzeitig haben die Junggesellinnen ein Gespür für Qualität entwickelt. Eine solche Ausbildung sei ein Leben lang wertvoll, so Kempf.

Dr. Joachim Eisert, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Reutlingen, hob hervor, dass der Trend wegginge von großen Modekonzernen hin zu mehr Individualität. Hierin sieht er gerade auch für die Absolventinnen gute Chancen: Sie könnten im Handwerk bleiben, sich schnell selbstständig machen, es sei ein sicherer Job, der viel Spaß macht und Karrierechancen bietet. Sein Fazit: „Das Handwerk braucht interessierte, schlaue junge Mädchen.“

Mit Wortwitz erinnerte eine Ansprache zweier Gesellinnen an die vergangene Lehrzeit in den Werkstätten. Vom Kissenüberzug in Klasse 8 bis zum großen Finale beim Abendkleid habe man viel genäht und viel gelernt – nicht nur über das Handwerk, sondern vor allem über sich selbst. Natürlich ging „nicht immer alles glatt, auch nicht beim Bügeln“. Manchmal, so betonten sie, „verloren sie den roten Faden, aber die Meisterinnen fanden ihn glücklicherweise immer wieder.“

Für die Gruppe gehe eine wundervolle Zeit zu Ende, eine neue kann beginnen. Ob viele dem Handwerk treu bleiben, muss sich herausstellen. Einige zieht es ins Ausland, andere sicher direkt an die Universität. Egal, wohin es sie verschlägt: Sie haben neben dem Abitur auch einen Berufsabschluss erworben und können sich eigene Kleidung nähen. Darauf kann und darf man erst einmal stolz sein.

Text: Christian Mehrmann, Joachim Ott

Fotos: Joachim Ott

 
Preisträgerinnen mit der Gesamtnote 1,9

Anna-Lena Hentschel (Sipplingen), Alexa Harzbäcker ( Salem) , Natalie Weikmann, (Wald)

Preisträgerin mit der Gesamtnote 2,0

Marleen Anders (Hohenfels)

 

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