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03.04.2019

„Manchmal geht’s nicht ohne Militär“

Jugendoffizier der Bundeswehr zu Gast im Kloster Wald

Es kommt immer mal wieder die Frage auf, ob die Bundeswehr an Schulen gehen und dort über ihre Arbeit sprechen sollte. So musste auch der Gast in Uniform die Frage über sich ergehen lassen und klarstellen, ob er denn da sei, um neue Rekrutinnen zu gewinnen. „Nein, das ist nicht mein Job. Ich bin hier, um zu informieren.“

Und das tat er. Oliver Schendzielorz ist Hauptmann und Jugendoffizier der Bundeswehr in Ulm. Im Rahmen des Gemeinschaftskundeunterrichts der 12. Klasse war er am 29. März – zum bereits dritten Mal – Gast im Kloster Wald, um über Sicherheitspolitik und die Bundeswehr zu sprechen.

Was ist Sicherheitspolitik? Was sind die Besonderheiten in Deutschland? Welche Rolle spielt Deutschland in der Welt? Was ist eine Krise? Welche Handlungsmöglichkeiten haben Staaten im Falle von Krisen? Wie entsteht eigentlich ein Konflikt? Auf solche Fragen versuchte der Offizier im ersten Teil seiner Präsentation Antworten zu geben.

Ein zweiter Teil richtete sich auf die Bundeswehr selbst: Welche Aufgaben hat die Bundeswehr? Was bedeutet Landesverteidigung? Wann wird die Bundeswehr im Inland eingesetzt? Welche Rolle spielen die deutschen Streitkräfte im internationalen Krisenmanagement oder den internationalen Organisationen, die sich der Friedensschaffung und -erhaltung verschrieben haben, wie UN, NATO, OSZE und EU?

Solchen Fragen und den Erläuterungen folgten die Schülerinnen aufmerksam. Es war für viele interessant, sicherheitspolitische Inhalte von einem Experten dargeboten zu bekommen, der selbst im Auslandseinsatz gewesen war. Auch wenn der Offizier es am liebsten sieht, wenn das Militär nicht in den Einsatz muss: „Manchmal müsse es eben sein“, um den Frieden herzustellen, „dass Streitkräfte entsendet werden, um Krisen zu entschärfen und mit der Aufbauarbeit beginnen zu können.“

Schendzielorz erklärte, was im sogenannten „Bündnisfall“ passiert, warum und wo überall deutsche Truppen eingesetzt werden. Warum die Bundeswehr so aufgebaut ist, wie sie ist – mit einem zivilen Befehlshaber, dem Parlamentsvorbehalt, dem Verbot von Angriffskriegen, dem NATO-Beitritt, dem Konzept des Staatsbürgers in Uniform etc. – erklärte der Jugendoffizier historisch. „Ganz schön doof“ wäre es, das zeige die deutsche Geschichte, „was passieren kann, wenn einer alleine entscheidet.“

Für aktuelle Themen zur technisch miserablen Ausstattung der Streitkräfte, den Nachwuchssorgen, der finanziellen Sickergrube Gorch Fock oder Missbrauchsfällen innerhalb der Bundeswehr (die Staufer-Kaserne in Pfullendorf ist nicht weit von Wald entfernt) blieb leider keine oder nur kurz Zeit im Pausengespräch.

So lässt sich bilanzierend fragen: Hat der Herr Hauptmann informiert? Sehr wohl. Hat er rekrutiert? Eher nicht.

Christian Mehrmann

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