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20.02.2019

Viel Leiden, aber auch viel Leidenschaft

14 Gesellinnen erhalten Gesellenbrief nach einem intensiven letzten Ausbildungsabschnitt

„Im letzten Jahr wurde ich häufig gefragt, was die Heimschule Kloster Wald so besonders macht. In Zukunft muss ich nur diese Situation hier wiedergeben: Seit einem halben Jahr das Abitur in der Tasche, soeben den Gesellenbrief bekommen und jetzt, wie wenn nichts wäre, Chopin am Klavier gespielt.“ Mit diesen Worten beschloss Schulleiter Hartwig Hils die Lossprechungsfeier der Schreinerinnen und Bildhauerinnen am Samstag, 16.02.2019 und unterstreicht dadurch die Bedeutung des Mottos „Mit Kopf, Herz und Hand" nach Pestalozzi.

In diesem Rahmen konnten 5 Holzbildhauerinnen und 9 Schreinerinnen ihren Abschluss feiern, den sie in viereinhalb Jahren parallel zur Schulzeit erworben haben.  Sowohl Diana Kempf, Leiterin der Werkstätten in Wald, als auch Harald Herrmann, Präsident der Handwerkskammer Reutlingen, betonten, wie wichtig das Handwerk in der heutigen konsumorientierten Gesellschaft sei. Herrmann bedauerte in seiner Ansprache, dass viele der Gesellinnen wohl später nicht im Handwerk tätig sein werden, da sie vermutlich eine akademische Ausbildung anstreben würden. Gleichzeitig betonte er aber auch, dass die Ausbildung für die Mädchen auf jeden Fall gewinnbringend gewesen sei. Durchhaltevermögen, Disziplin und Teamfähigkeit seien Kernkompetenzen, die die Schülerinnen für ihr späteres Berufsleben benötigten und die Vorteile einer abgeschlossenen Berufsausbildung lägen auf der Hand. Herrmann lobte die Heimschule auch dafür, dass sie nicht nur die Frauenquote in der Ausbildung hochhalte, sondern auch überdurchschnittlich gute Absolventinnen hervorbringe. Aus der Heimschule Kloster Wald kämen beim Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks regelmäßig Kammer-, Landes- und Bundessiegerinnen.

Eine Besonderheit in diesem Jahr war die Ehrung von Anita Haas, Schulleiterin a.D. Sie erhielt von Handwerkspräsident Herrmann und Dr. Joachim Eisert, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Reutlingen, die goldene Ehrennadel des Handwerks für ihren außerordentlichen Einsatz für die handwerkliche Ausbildung an der Heimschule. Diese Auszeichnung wurde in Baden-Württemberg bisher nur zwei Mal an Personen außerhalb von Handwerksbetrieben verliehen.

Die Schlussworte kamen von den Gesellinnen selbst. Sie dankten vor allem Frau Kempf, Herrn Hils und ihren Meistern für ihr großes Engagement und ihre Unterstützung. Sie betonten, dass sie stolz sind auf das, was sie geschafft haben. Sie seien nun in der Lage, qualitative Möbelstücke von günstigen zu unterscheiden. „Ikea war gestern“ war das Fazit von Anna Ritzer und Sophia Vontz. Laetita Toursarkissian schloss sich ihren Vorrednerinnen an, beleuchtete dann aber einen typischen Arbeitstag als Holzbildhauerin in Wald. Ihr Resümee lautete: „Jetzt, wo wir wissen, was körperliche Arbeit wirklich bedeutet, sind wir auf unser Leben vorbereitet.“

Werkstattleiterin Diana Kempf konnte insgesamt vier Buchpreise vergeben:

An Juliane Vöhringer, Holzbildhauerin mit der Gesamtnote 2,0 und an die Tischlerinnen Hannah Fanslau und Antonia Gürth jeweils mit der Gesamtnote 1,9 und an Ann-Cathrin Böttinger mit 1,7.

Wie das Eingangszitat von Herrn Hils bereits andeutet, erfolgte auch die musikalische Umrahmung durch die Gesellinnen: Hannah Fanslau und Theresia Fleig eröffneten mit einem Stück von Beethoven für Bratsche und Cello, Marie von Truchseß spielte Schubert auf dem Klavier und Juliane Vöhringer begeisterte ebenfalls auf dem Klavier mit einer Fantasie von Chopin.

Im Anschluss präsentierten die Absolventinnen ihre Gesellenstücke und ermöglichten so allen Besuchern, die selbstgefertigten Möbelstücke und Holzskulpturen zu bewundern.

 

Joachim Ott

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Schulstiftung der Erzdiözese Freiburg