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29.09.2020

Click and Pray

Wald feiert den ersten virtuellen Lioba-Gottesdienst

Das Gleichnis vom Senfkorn hat in einer Schule einen idealen Platz: Ein kleines Korn wird in Erde versenkt. Mit ausreichend Wasser und Pflege versehen, wächst aus diesem Korn ein stattlicher Baum. In der Schule werden Menschen geformt. Sie kommen als Kinder, werden mit Wissen, Fähigkeiten und Erfahrungen versorgt und verlassen die Schule als gereifte Einzelpersönlichkeiten, die fest in der Welt stehen.

Der Gottesdienst zum diesjährigen Lioba-Tag am 28. September konnte leider nicht im üblichen Rahmen in der Walder Kirche St. Bernhard gehalten werden. Stattdessen probierte die Schulseelsorge um Pfarrer Gerhard Müller, Andrea Hauber und Ulrich Schneider etwas Neues, denn: Anders als zum Ende des alten und Beginn des neuen Schuljahres, sollte die Schulgemeinschaft wieder gemeinsam – oder zumindest zeitglich – Gottesdienst feiern. So entstand die Idee eines Online-Gottesdienstes. Die Messe aus der Schwesternkapelle wurde per Videokonferenz in die Klassenzimmer und Besprechungsräume übertragen, Abstandsgebote konnten eingehalten werden, niemand musste Maske tragen, alle hatten die Möglichkeit zur Teilnahme.

Mit der Messe zum Lioba-Tag schloss sich ein Kreis. Vor zehn Jahren, hob Ulrich Schneider hervor, war es der Walder Pfarrer Josef Maurer, mit dem er seinen ersten Lioba-Gottesdienst für die Schülerinnen feierte. Gleichzeitig war der Gottesdienst in diesem Herbst für den Geistlichen der letzte in Wald. Für ihn beginnt eine neue Zeit als Leiter der Seelsorgeeinheit Markgräflerland. Zugleich war dies die erste Messe für Andrea Hauber, die ab diesem Schuljahr das Team im Kloster Wald als Lehrerin und Schulseelsorgerin unterstützt. Sie bemühte das Gleichnis des Senfkorns, um auf die Bedeutung der Schule und des guten Lernens im Leben eines Menschen hinzuweisen.

Messe virtuell – schön und gut. Aber wie die Kommunion austeilen, wenn Spender und Empfänger in unterschiedlichen Räumen weilen? Auch hierfür fand sich eine Lösung: Die geweihten Hostien wurden einfach von eifrigen Helferinnen und Helfern in die Klassenräume gebracht und dort ausgeteilt. Brot gab es für die, die keine Kommunion empfangen können.

Dass die Benediktinerinnen der Heiligen Lioba um Sr. Sophia im Jahr 1946 das ehemalige Klostergebäude in Wald wieder in Betrieb nehmen konnte, feiert die Schulgemeinschaft jedes Jahr am Lioba-Tag. Die Gründung der Schule, so betonte Andrea Hauber, war ein solcher Akt des Säens, der jedes Jahr Früchte trägt, und der im Sinne der Ordensgründerin jungen Mädchen seit Jahrzehnten Bildung und Persönlichkeitsentwicklung ermöglicht.

Wie ein „Wink des Himmels“ erreichte die Schule gerade in dieser Zeit des Jubiläums ein Brief aus der Gründungszeit von Wald. Elisabeth de Bourbon-Siciles war eines der 70 Mädchen, die am 7. September 1946 im Kloster einzogen und nun, am Ende ihres Lebens, zurückblickt auf eine prägende Zeit. „Wir leben in der Stille, haben aber doch eine weltoffene Erziehung, und das Ziel der Schwestern ist, die jungen Mädchen zu Menschen zu erziehen, die später mit beiden Füßen fest in der Welt stehen.“ Sr. Edellint, eine der verbliebenen Schwestern des Konvents, las den Brief in Ausschnitten vor.

Am Ende des Gottesdienstes gab es für die Schülerinnen je ein Lioba-Schiffchen zu essen. Diese süße Köstlichkeit soll an die Überfahrt der hl. Lioba nach Deutschland erinnern und brachte ein wenig Normalität in ungewisse Zeiten.

Musikalisch begleitet und arrangiert wurde die Messe von Martin Herr. Johanna Deppe (Klasse 11) spielte Cello und Magdalena Schmucker (Klasse 10) übernahm zusammen mit Ulrich Schneider den Gesang. Die Fürbitten lasen Schülerinnen der 11. Klasse.

 Christian Mehrmann

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Schulstiftung der Erzdiözese Freiburg