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29.09.2018

Bildung macht Mädchen stark!

Gottesdienst zum Liobatag 2018

Wer ist eigentlich diese heilige Lioba? Und warum ist sie so wichtig für unsere Schule, dass ihretwegen eigens Unterricht ausfällt? Mit solchen Fragen beschäftigten sich die Mädchen des vierstündigen Religionskurses von Margaretha Bucher-Schneider, die den diesjährigen Gottesdienst zum Tag der heiligen Lioba am 28. September mit dem Thema „Mädchenbildung" gestalteten.

Lioba, von ihrem Onkel Bonifatius im achten Jahrhundert aus England nach Germanien gerufen, um den christlichen Glauben zu verbreiten, hat sich in ihrem Wirken besonders den Mädchen verpflichtet gefühlt. Sie gründete Frauenklöster und wurde Äbtissin in Tauberbischofsheim, unterrichtete junge Mädchen im Kloster, wie sie es aus England kannte. Viele ihrer Schülerinnen wurden selbst Lehrerinnen und trugen so das Wissen weiter.

Unsere Schule, die Heimschule Kloster Wald, wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von Benediktinerinnen von der heiligen Lioba gegründet. So sind die Geschehnisse um Lioba zwar über tausend Jahre her, doch für unsere Schulgemeinschaft von einiger Bedeutung. Lotta Keller unterstrich, dass Schwester Sophia und ihre Mitschwestern, die Gründerinnen der Schule, sich mit verschiedenen Frauenbildern und Frauenrollen auseinandersetzten. Weder das „Hausmütterchen-Ideal" noch das „Weibchen-Ideal" oder die vermännlichte Frau seien ihr Ziel von Mädchenbildung gewesen, sondern die Förderung eigenständiger Frauen, unabhängig von männlichen Rollenzuschreibungen. Sie wussten, dass Mädchen und Frauen durch Bildung eine große innere Freiheit und Unabhängigkeit erreichen können. Leonie Hiss ergänzte: Als wichtigen Aspekt der Mädchenbildung sah Schwester Sophia die Förderung von Kontaktaufnahme mit dem Leben an. Die Schülerinnen sollten etwas erleben in sozialem und praktischem Tun. Daraus entstand die handwerkliche Ausbildung neben der akademischen.

Und die Schülerinnen des Religionskurses sind überzeugt: „Durch die Abwesenheit von Jungen wird das Selbstbewusstsein der Mädchen und das Vertrauen in die eigene Leistung gefördert", so Cecilie von Schwerin. Individuelle Fertigkeiten und Fähigkeiten können an einer Schule, die nur Mädchen besuchen, besser gefördert werden. „Wir Mädchen können uns freier, offener und ungestörter entwickeln, wenn wir unter uns sind."

Dies gilt auch heute in unseren fortschrittlichen, demokratischen und auf Gleichheit bedachten westlichen Gesellschaften. Dies gilt vor allem, daran erinnerte Veronika Düker, in Ländern des globalen Südens, in denen Mädchen mancherorts Menschen zweiter Klasse sind. „Bilung bedeutet für Mädchen Entwicklung", wie es Leandra Engel ausdrückte. „Wenn Mädchen zur Schule gehen, heiraten sie meist später. Sie bekommen weniger Kinder und die Kinder gebildeter Mädchen haben eine größere Chance, gesund aufzuwachsen. Schulbildung trägt somit zu einer niedrigeren Geburtenrate und einer niedrigeren Sterberate bei", ergänzte Agnes Driesner. Weitere harte Fakten: „Mit jedem absolvierten Sekundarschuljahr kann das spätere Einkommen eines Mädchens um zehn bis zwanzig Prozent steigen." (Alessandra Härle). „Bildung für Mädchen ist eine der wirksamsten Lösungen im Kampf gegen Armut und Ausbeutung." (Noa Wächter).

Deshalb bleibt Bildung, die Einstiegsdroge zur Emanzipation, laut UNESCO auch aktuell weltweit rund 130 Millionen Mädchen im schulpflichtigen Alter verwehrt. In patriarchalischen Gesellschaften sollen sich Frauen den Männern bedingungslos unterordnen. Sie sollen nicht wissen, sie sollen ausführen. Sie sollen nicht fragen, sie sollen gehorchen. Wer aber gebildet ist, der erkennt, der hinterfragt, kritisiert, protestiert. Bildung, das wird deutlich, ist Macht. Und Bildung, auch und gerade heute, macht Mädchen stark.

So leuchtet das Licht der heiligen Lioba bis weit in das einundzwanzigste Jahrhundert hinein.

Dieser zweite große Gottesdienst des Schuljahres wurde von englischsprachigen Liedern begleitet, um an Liobas Heimat zu erinnern. Simon and Garfunkels Morning Has Broken erklang ebenso wie Amazing Grace, das auf einem Sklavenschiff entstanden ist, und die Taizé-Hymne Oh Lord, Hear My Prayer.

Schließlich stellte sich Paulina Weinert aus der 10a vor, die am Donnerstag durch Wahl in das Team der Schülersprecherinnen aufgenommen worden war. Ihr wünschen wir alle viel Erfolg und ein glückliches Händchen bei der Ausübung ihres Amtes.

Vor der Abfahrt in das erste Heimfahrwochenende des Schuljahres spendierte die Küche die allseits beliebten Lioba-Schiffchen, von denen manche gern mehr als eines gegessen hätten. Mit der Bildung ist es übrigens ähnlich: Einmal Geschmack daran gefunden, möchte man nie mehr davon lassen.

Christian Mehrmann

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