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09.11.2015

Autorenlesung: Bettina Storks

Einblick in die Entstehung eines Romans

Die ehemalige Kloster-Wald-Schülerin und heutige Schriftstellerin Bettina Storks stellte ihren Debüt-Roman „Das Haus am Himmelsrand“ vor und gab Einblicke in die Entstehungsgeschichte eines solchen literarischen Werkes.

Wie schwierig und langwierig ist der literarische Werdegang zwischen Idee und Umsetzung bis hin zum fertigen Roman? Welchen Einfluss hat der Verlag und welche Freiheiten hat die Autorin? Diesen und noch tiefer gehenden Fragen gingen die Schülerinnen der 10. Klassen der Heimschule Kloster Wald nach und hatten dabei prominente Unterstützung in der ehemaligen Kloster-Wald-Schülerin Bettina Storks, die aus ihrem Debüt-Roman „Das Haus am Himmelsrand“ im Konventsaal des Klosters las und neben dem Inhalt auch den literarischen Entstehungsprozess des im Herbst letzten Jahres veröffentlichten Romans den rund 60 Schülerinnen nahe brachte.

Und diese waren begeistert davon zu erfahren, wie ein literarisches Werk entsteht, worauf die Autorin achten musste und welche Beweggründe dazu führten, einen Stoff zu wählen, der in zwei verschiedenen Zeitebenen spielt, und wieso die ehemalige Kloster-Wald-Schülerin und promovierte Literaturwissenschaftlerin unterschiedliche Erzählperspektiven wählte und welche Möglichkeiten hinter den Perspektiven einer Ich-Erzählung oder eines personalen Erzähl-Stils stecken.

Im Roman „Das Haus am Himmelsrand“, das Anfang Dezember 2015 auch als Taschenbuch erscheint, spielt ein Anwesen in den Vogesen eine zentrale Rolle. Ein Haus, das zwei Familien für immer verbinden wird. Ein Haus, dessen Keller bis in die dunkelsten Abgründe reicht – und dessen Giebel bis an den Rand des Himmels. Die Geschichte von Lizzy Tanner und dem Gut »Rosshimmel« beweist, dass es nie falsch ist zu kämpfen: für seine Überzeugungen, für die Moral und für die Liebe. Eigentlich ist Elisabeth „Lizzy“ Tanner eine glückliche Frau: Ihre reizende Tochter Thea macht ihr viel Freude, ihr Partner Tom ist zuverlässig und liebevoll, Geldsorgen kennt sie nicht – und wenn es mal knapp wird, springt Lizzys Großvater ein, der Patriarch einer Freiburger Uhrendynastie. Doch die Sorglosigkeit zerbröckelt, als der Großvater stirbt. Nicht nur, dass er den »Rosshimmel«, das Anwesen der Familie in den Vogesen, zwei gänzlich Fremden vermacht, zudem hat er noch einen schwerwiegenden letzten Wunsch an Lizzy: Finde die Wahrheit heraus! Sorge für Gerechtigkeit! Bei ihren Recherchen, die sie in der Familiengeschichte zurück bis in die 1930er Jahre führt, erlebt Lizzy Rückschläge und Enttäuschungen und muss sich entscheiden zwischen Vertrauen und Verleumdung, der Wahrheit und Rücksichtnahme, ihrer Familie und ihrer Vorstellung von Moral.

Die Autorin, die seit kurzem ihr zweites Werk „Die Stimmen über dem Meer“ im Berlin Verlag veröffentlichte, gab den interessierten Schülerinnen einen Einblick in die Geschichte dieser Zeit und erläuterte den manchmal schwierigen Entstehungsprozess von literarischen Figuren und von Geschichten, die sich entwickeln müssen und sich dann von der Ursprungsidee weit entfernen können. Immer wieder wurde Bettina Storks von den Schülerinnen nicht nur zum Inhalt, sondern auch zur Entstehung des Romans, seiner ursprünglichen Idee und Absicht befragt. Der Tag dieser Lesung hätte nicht besser gewählt sein können, um eine solche Geschichte zu erzählen. Der 9. November ist nicht nur Tag des Mauerfalls, sondern auch der sogenannten „Reichspogromnacht“, in der die jüdischen Synagogen brannten. So vereinten sich Roman-Inhalt und Historie an diesem Tag für die Schülerinnen der Heimschule Kloster Wald.

Dieter Leicht

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Schulstiftung der Erzdiözese Freiburg