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05.07.2012

800 Jahre Kloster Wald: Festakt und Eucharistiefeier mit Erzbischof Zollitsch

Höhepunkt der Feierlichkeiten anlässlich des 800-jährigen Bestehens von Kloster Wald waren ein Festakt und eine Messe, die von Erzbischof Robert Zollitsch zelebriert wurde.

Eucharistiefeier

Neben der Hausgemeinschaft nahmen 250 geladene Gäste an dem Gottesdienst teil, sodass gar nicht alle in der Walder Pfarrkirche Platz fanden. Für etliche Schülerinnen wurde die Messe auf eine Leinwand im Kreuzgang übertragen. Der Erzbischof zeichnete in seiner Predigt die Geschichte des Klosters Wald nach. Dabei betonte er, dass die Klosterleute trotz düsterer Zeiten immer wieder einen Neuanfang gewagt hatten. Dies war auch nach dem Zweiten Weltkrieg der Fall, als Benediktinerinnen von der hl. Lioba eine Schule gründeten, die in den Mauern von Kloster Wald eine Heimstatt fand. Zollitsch machte deutlich, dass die christlichen Werte Glaube, Liebe, Hoffnung einen verlässlichen Orientierungsrahmen im Leben bilden. Anschaulich legte er dar, dass nicht jeder, der reich an materiellen Gütern sei, auch über zwischenmenschliche Gaben verfüge. Gemeinsam mit dem Erzbischof zelebrierten den Gottesdienst Erzabt Tutilo Burger (vom Kloster Beuron), Dekan Christoph Neubrand, Spiritual Peter Falk (aus dem Mutterhaus der Lioba-Schwestern in Freiburg-Günterstal), Pfarrer Josef Maurer, Schulseelsorger Winfrid Keller und Pater Pirmin aus Beuron. Unter der Leitung von Guido Haas sang der Schulchor klangschön die anspruchsvolle Messe in d-moll von Peter Cornelius. Während der Kommunion spielte das Schulorchester, das von Gudrun Hafner dirigiert wurde, eine Sinfonia von Franz Xaver Richter. Den Orgelpart hatte Martin Herr übernommen.


Festakt

Der aus dem Jahr 1536 stammende Saal „Jenner“ bot sich als Kulisse für den Festakt an, der am Nachmittag des 5. Juli stattfand. Priorin Sr. Dr. Scholastika Deck OSB stellte gleich zu Beginn ihrer Begrüßung fest: „Es braucht solche Feste“. Denn sie gestatten ein Innehalten, ein Zurückblicken, um sein eigenes Maß zu finden. Bei allen Reden wurde deutlich, dass wir uns in eine lange Tradition und bewegte Geschichte einreihen dürfen. Sr.Scholastika dankte besonders Sr.Michaele Csordás, die zum 800. Jahrestag der Klostergründung eine umfangreiche Festschrift herausgegeben hatte. Diese Festschrift enthält unter anderem den Katalog zur Ausstellung „800 Jahre Kloster Wald“.

Die Festansprache hielt Äbtissin Petra Articus OCist (aus Landshut-Seligenthal). Ihr Thema war, entsprechend der Klostergeschichte, „Zisterzienserinnen und Benediktinerinnen“. Vieles, was in früheren Zeiten die in Wald lebenden Ordensschwestern zu leben versuchten, lasse sich auch als Erziehungsziel für die heutigen „Bewohner“ des Hauses formulieren: das Annehmen der eigenen Unzulänglichkeiten, die Fähigkeit, die Gaben der anderen zu erkennen, das „Hören“ mit dem Herzen, das richtige Maß, die Sorge um den anvertrauten Menschen. Dass sie Gott auch in den gewöhnlichen Gegebenheiten des Alltags suche, zeichne die Klosterfrau aus. An die Adresse der Lehrer gewandt, meinte die Äbtissin: „Gott gibt uns täglich die Chance, neu anfangen zu dürfen. Geben Sie diese Gnade auch Ihren Schülerinnen.“ Der Wechsel zwischen Gebet und Arbeit strukturiere den Tag. So komme man zur Ruhe. Nach Auffassung der Äbtissin soll das Kloster ein Ort sein, „wo Gott uns einlädt, seine Liebe zu erfahren“.

Landrat Dirk Gaerte überbrachte den Glückwunsch des Landkreises und ein Geschenk zum Jubiläum. Er gratulierte außerdem zu der besonderen Ausrichtung der Schule, die den Schülerinnen Eigenverantwortung und christliche Lebensorientierung vermittle. Für die Schulstiftung der Erzdiözese Freiburg sprach Stiftungsdirektor Dietfried Scherer: Seit 800 Jahren präge die vita communis, das geteilte Leben, diesen Ort. Ordensgemeinschaft, Schule und Internat befinden sich unter einem Dach. Wie eine Ellipse habe auch Wald zwei Brennpunkte: Tradition und Veränderung. Abtpräses Albert Schmidt OSB von der Erzabtei Beuron reflektierte über das Wort „Jubiläum“, das mit „Jubeln“, „Jauchzen“ und „Jubilieren“ zu tun habe. Dem Kloster wünschte er einen jubelnden Festtag und eine lebendige Zukunft.

Glanzlichter erhielt der Festakt neben den Reden auch durch die Musik. Die Neuntklässlerin Lorena Kempf spielte Chopins cis-moll-Walzer mit ausgefeilter Technik und großer Musikalität. Ebenso begeisterten die Schulband und ein Ensemble des Musik-Neigungskurses: Unter der Leitung von Martin Herr spielten sie Bläsersätze im Spätrenaissance-Stil. Trotz der hohen Temperaturen schafften es die jungen Instrumentalisten, alle drei Musikstücke mit reiner Stimmung zu spielen. Musiklehrer Martin Herr hatte extra zum Klosterjubiläum Prélude, Air und Marche komponiert, deren Anklang an die Renaissance-Musik in reizvollem Kontrast zur Modernität der verwendeten Instrumente, beispielsweise Saxophon, stand. So wurde sogar die musikalische Umrahmung dem von Stiftungsdirektor Scherer gebrauchten Bild gerecht: Wald verbindet Tradition mit Moderne.


Judith Hermann

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Schulstiftung der Erzdiözese Freiburg